Weihe siegt weiter, Sammy Davis jr und Damsey FRH verblüffen in der Schleyerhalle

Wow – das war nicht einfach eine Weltcup-Kür, das war ein Kür-Erlebnis der Extraklasse in Stuttgart! Zum sechsten Mal war Stuttgart Weltcup-Station für die Dressurreiter.
Weihegold und Isabell Werth gewinnen – wie im vergangenen Jahr. Dieses Mal mit 87,575 Prozent. Es gibt kein Pferd zurzeit, dass die Kernlektionen des Grand Prix mit dieser Nähe zur Perfektion ausführt. Chefrichter Dr. Dietrich Plewa kommentierte: „Der Höhepunkt durch die ganze Aufgabe war, dass das Pferd ständig in bilderbuchmäßiger Anlehnung war und wie selbstverständlich die Höchstschwierigkeiten in der Kür komprimiert präsentierte. Klassisch, wie man sich das wirklich unter 'klassisch geritten' vorstellt, mit gesenkter Kruppe in der Piaffe, in Harmonie mit dem Reiter und in einer unglaublichen Souveränität.“ Isabell Werth schmunzelte zufrieden über „zwei schöne, harmonische Prüfungen“ und Madeleine Winter-Schulze witzelte: „Ab morgen üben wir zählen bis zwei.“ Denn sowohl gestern im Grand Prix als auch heute in der Kür baute das Paar einen Fehler in den Zweierwechseln ein.
Völlig geflasht – und an dieser Stelle sei der etwas 'ausgeflippte Ausdruck' erlaubt – war Dorothee Schneider von ihrem Sammy Davis jr. Mit dem persönlichen Bestergebnis von 82,805 Prozent wurden die beiden Zweite. „Ich bin sehr sehr glücklich. Sammy wollte tanzen und sich präsentieren, er hatte Spaß im Viereck.“ Die erste internationale Saison mit EM-Gold, mit EM-Finale in der Kür und mit Platz zwei in Stuttgart – eine steile Karriere. „Wir haben das heute beide genossen, ich bin unendlich stolz auf das Pferd.“ Chefrichter Plewa lobte mit Enthusiasmus: „Das war heute der beste Sammy Davis, den ich bisher gesehen habe: Er hat sich unheimlich entwickelt. Sehr lektionssicher war er ohnehin schon, aber er hat sich gerade in der Piaffe, Passage und in den Übergängen verbessert, ist erhabener geworden mit deutlicher Schwebephase und viel Dynamik.“
Bei Sammy schwingt neben allem Erfolg auch immer noch eine andere Emotion mit. Seine Entdeckerin und Ausbilderin Dr. Cornelia Herbert ist kurz bevor sie ihr Pferd in die Hände von Dorothee Schneider gab gestorben. Gebärmutterhalskrebs. Keine Frage: Sie wäre sehr stolz gewesen und auch deswegen sind die Erfolge mit Sammy immer etwas ganz besonderes für Dorothee Schneider. Mit Sammy wird Schneider weiter in der Weltcup-Saison starten, während Stallkumpel Showtime nach seinem tollen Comeback am vergangenen Wochenende wohl nur noch ein Hallenturnier absolvieren wird und sich dann auf die Freiluftsaison 2018 konzentriert.
Bei der Euro in Göteborg hat er seiner Reiterin das Leben nicht einfach gemacht. Helen Langehanenberg gönnte Damsey nach der EM eine lange Pause und nun war er in Stuttgart – wie Weihegold – das erste Mal nach der EM wieder am Start. Und wie! Wenn er sich sonst schon gerne mal etwas bitten ließ, war er in der Schleyerhalle eher übermotiviert, und zwar in beiden Prüfungen. „Das ist mir so viel lieber“, strahlte Helen Langehanenberg. „Diese Energie! Ich habe schon zu den Besitzern im Spaß gesagt: Je oller, je doller. Wunderbar! Er hatte so viel Frische, so viel Energie, das hat wahnsinnigen Spaß gemacht.“ Auch Chefrichter Plewa war auf seine Weise sehr angetan von dem Hengst: „Für mich war imponierend, dass Helen den Hengst, der schon manchmal ausgetestet hat, wer der Stärkere ist, unheimlich auf ihre Seite gebracht hat. Heute war er vielleicht etwas überehrgeizig mit etwas zu viel Spannung.“ Plewa war der einizige Richter, der Damsey nicht auf Platz drei, sondern auf neun einsortiert hatte. Tatsächlich hatte Damsey Momente, in denen er in der Passage ungleich und spannig fußte oder in denen er in der Galopp-Pirouette nicht mehr locker durchsprang. Helen Langehanenberg aber freute sich trotzdem: „Ja, ausnahmsweise hatten wir heute wirklich zu viel Saft drauf!“ Für sie bedeutete Stuttgart der Startschuss in die Weltcup-Saison. Die nächste Station hat sie mit Amsterdam angepeilt.
Und dann landeten noch zwei deutsche Kaderreiterinnen auf den Plätzen fünf und sechs, die sehr qualitätvolle Runden gedreht haben: Fabienne Lütkemeier auf Fabregaz und Jessica von Bredow-Werndl auf Zaire. Fabregaz war noch viel runder, harmonischer, losgelassener und ausdrucksvoller als gestern im Grand Prix. Dieses Pferd hat enormes Potenzial, heute hat er ganz viel Lust auf mehr gemacht. Es war das erste Mal, dass das Paar seine Kür zu Musik aus dem Film 'Der Gladiator' international gezeigt hat: auf Anhieb 78,190 Prozent – das war klasse! Und auch Jessica von Bredow-Werndl hat einen super Job gemacht. Zu Beginn der Kür war Zaire kurzzeitig verunsichert von der Kulisse, aber hat sich überreden lassen und eine Kür mit sehr schönen Höhepunkten gezeigt. Platz sechs mit 78,185 Prozent – auch klasse!

Wie gesagt: Die Kür in Stuttgart war ein wunderbares Dressursport-Erlebnis!