Wir haben mit dem Mann hinter Spectator Judging und E-League gesprochen: Daniel Göhlen, Black Horse One

2014 hat Daniel Göhlen seine Firma gegründet: Black Horse One. Seitdem revolutioniert er – ohne zu übertreiben – den Dressursport mit Ideen und Möglichkeiten auch für die Zuschauer. Denken wir an das neue Bewertungssystem für den Schwierigkeitsgrad in der Kür, das bereits im dritten Jahr im Weltcup eingesetzt wird. Und denken wir an das inzwischen weit verbreitete Spectator Judging. Sein neuester Clou ist in der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der FEI und SAP gerade beim Weltcup-Turnier in Herning am vergangenen Wochenende gestartet: die FEI E-League! (dressursport-deutschland.de berichtete).
Wie ist das Premierenwochenende für die E-League gelaufen? Wie haben die Dressurfans diese neue Möglichkeit angenommen? Wir haben mit Daniel Göhlen gesprochen…

dressursport-deutschland.de: Vielleicht noch einmal für alle, die noch nichts von der neuen FEI E-League gehört haben. Was genau ist das?
Daniel Göhlen: Die E-League ist eine digitale Fanserie für Dressurbegeisterte, die sich in dieser ersten Saison über die gesamte Weltcup-Saison 2018-2019 zieht. In dieser Serie können Teilnehmer des Spectator Judging bei den verschiedenen Weltcup-Stationen in der Western European League Punkte sammeln. Und es gibt diverse Möglichkeiten, Extrapunkte zu sammeln, wenn man beispielsweise sehr aktiv, sehr experimentierfreudig in der Anwendung unserer App ist. So ergibt sich eine Rankingliste, auf der jeder Teilnehmer verfolgen kann, wie viele Punkte er gesammelt hat, wo er im Ranking steht. Am Ende der Saison wird es einen Punktsieger unter den Teilnehmern des Spectator Judging geben und auf den wartet ein toller Gewinn: Eine Reise zum Weltcup-Finale nach Göteborg für zwei Personen mit allem drum und dran. Und das alles ist kostenlos, jeder kann sich die Spectator Judging App runterladen und einfach mitmachen.

dressursport-deutschland.de: Neustart für die E-League in Herning. Wie waren die ersten Reaktionen der Zuschauer, das Interesse?
Daniel Göhlen: Das war rundum positiv. Wir hatten positive Teilnehmerzahlen beim Spectator Judging, stetig zwischen 300 und 500 und damit noch einmal mehr als im vergangenen Jahr in Herning zum Vergleich. Besonders gefreut hat mich, dass viele Teilnehmer gleich bei dieser Premiere versucht haben, Extra-Punkte in unserer App zu sammeln. Diverse Teilnehmer haben beispielsweise bewusst alle Modi durchprobiert, weil es dafür Extrapunkte gibt. Wenn man das aufwändigere Richten wählt und im Grand Prix wie die Richter jede Lektion bewertet oder in der Kür differenziert bewertet, gibt es auch Extra-Punkte. Auch das haben ungewöhnlich viele Zuschauer gemacht. Eine deutliche Auswirkung der E-League.

dressursport-deutschland.de: Gab es auch Rückmeldungen, Reaktionen von den Reitern. Es geht ja um 'ihren' Sport?
Daniel Göhlen: Da war ich tatsächlich etwas überrascht, wie viele Rückmeldungen wir von Reitern, aber auch von Richtern und Funktionären bekommen haben – und zwar durchweg positiv. Das alles zusammen ist natürlich für uns eine tolle Motivation, das E-League-System weiter auszubauen.

dressursport-deutschland.de: Ausbauen – wie zum Beispiel?
Daniel Göhlen: Da gibt es praktisch endlose Möglichkeiten, gerade bezüglich der Extrapunkte, die man sammeln kann. Es könnte zum Beispiel Extrapunkte dafür geben, wenn man sich die Biografien der Reiter im App ansieht. Oder wir könnten vor einem Turnier eine Art Vorschau auf der FEI Website anbieten, bei der die Zuschauer tippen, wer gewinnt. Wer richtig tippt, bekommt Extrapunkte. Das System lässt sich tatsächlich beliebig ausweiten. Immer mit dem Ziel, die Zuschauer noch mehr zu involvieren, den Sport dadurch noch näher zu bringen.

dressursport-deutschland.de: Sie sind selbst Dressureiter bis Grand Prix-Niveau, sind aber in den vergangenen Jahren permanent weltweit auf den Turnieren unterwegs. Sitzen Sie noch gelegentlich auf dem Pferd?
Daniel Göhlen: Ja unbedingt. Ich habe noch zwei Pferde und wenn ich zu Hause bin, dann gehe ich jeden Morgen reiten. Das ist für mich die beste Abwechslung, die beste Art abzuschalten. Die Pferde und die Reiterei brauche ich unbedingt – ganz ohne Spectator Judging :-)