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Der Sport ruft nach einem Umbruch oder sind es nur einzelne Stimmen?

In London wird am Montag, den 17. Dezember, erstmals eine verkürzte Grand Prix-Aufgabe geritten. Den Versuch eines verkürzten Specials haben wir bereits im Olympiajahr 2012 erlebt – danach wurde diese Aufgabe wieder gestrichen. In einem Interview des Reiterjournals Baden-Württemberg ließ Olympiasieger Martin Schaudt seinen Gedanken zum Dressursport freien Lauf. Er schlägt beispielsweise Qualifikationen mit Schritt, Prüfungen aber ohne Schritt vor. Die Idee, bei den Dressurprüfungen auf das Grüßen zu verzichten, schwebt ebenfalls seit Jahren durch den Raum. Und ganz viele Ideen gab es schon für die Ausrichtung von Championaten. Beispielweise das paarweise Reiten der Aufgaben, um die Prüfungen zu verkürzen etc. Eine dieser Ideen greift jetzt erneut Christoph Hess in einem Interview bei ludwigs-pferdewelten.de auf: …"Wird dann noch die Mannschaftsmedaille im Rahmen von Quadrillen entschieden, so kennt mein Glück kaum noch eine Grenze…", so ein Satz aus diesem Interview.

Man mag all diese Gedanken verteufeln oder revolutionär finden. Ganz sicher verursachen diese Gedanken einen dicken Kloß im Hals bei den meisten Puristen, die den Dressursport in seiner derzeitigen Form und Kunst lieben. Aber es gibt natürlich auch die andere Seite: Der Dressursport ist kein Massensport. Er ist viel zu diffizil und 'actionarm', um Massen zu erreichen. Trotzdem muss der Sport eine gewisse Breite begeistern, um attraktiv für Medien, Veranstalter, Sponsoren, für die FEI und letztendlich das IOC zu bleiben. Noch haben die Pessimisten wenig 'Futter' für ihre Argumente. Noch gibt es zahlreiche internationale Turniere, bei denen beispielsweise zuerst die Dressur-Kür ausverkauft ist, bevor sich bei den Springwettbewerben die Tribünen füllen. Und die Stimmung ist während der Prüfung natürlich konzentriert und ruhig, aber häufig danach auch enthusiatisch.

Die Frage ist: Wie lange dürfen wir uns noch auf diesem Ist-Zustand ausruhen? Wie lange ihn noch unbeschwert genießen? Und wann müssen wir doch einen gewissen Umbruch in Erwägung ziehen? Den Rufen nach mehr Medialität und Attraktivität für die Zuschauer nachgeben? Oder wir genügen uns selbst und sprechen uns langfristig von den Ansprüchen auf große Turniere und Championate frei?

Vielleicht müssen wir uns irgendwann schweren Herzens entscheiden. Und vielleicht ist dieses Irgendwann schon sehr bald…

Kim Kreling