Das Interview zum Jahresbeginn mit Cheftrainerin Monica Theodorescu…

 

dressursport-deutschland.de: Los geht’s Richtung 2019 – während ihr Springkollege Otto Becker mit nur drei Reitern im Olympiakader ins neue Jahr blicken muss, können Sie relativ entspannt 'aus dem Vollen' schöpfen?

Monica Theodorescu: Im Moment sieht die Lage sehr komfortabel aus, wenn man sich die Kader betrachtet. Nach wie vor haben mein Kollege Jonny Hilberath und ich das Ziel, alle Reiter und Reiterinnen weiter zu verbessern. Es gilt weiterhin: „Jeder ist willkommen 'im Club'“. Ich finde es ausgesprochen erfreulich, dass wir einige neue Namen im Kader haben.

dressursport-deutschland.de: Die Höhepunkte 2019 sind zunächst das Weltcup-Finale und dann die Europameisterschaften. Der Weltcup – so begehrt wie nie?

Monica Theodorescu: So begehrt und so spannend und das auf tollem Niveau. Wir haben momentan fünf Reiter/innen unter den Top Ten der Westeuropa-Liga – das gab es noch nie! Benjamin Werndl, Dorothee Schneider, Helen Langehanenberg, Frederic Wandres und Fabienne Müller-Lütkemeier – diese fünf sind im Rennen um zwei verbleibende Final-Startplätze, da wir mit Isabell Werth als Titelverteidigerin ja schon einen Platz vergeben haben. Mehr als drei Finalplätze pro Nation geht leider nicht. Fünf unter den Top Ten plus Titelverteidigerin – das ist eine Situation wie wir sie noch nie im Weltcup hatten. Ganz klasse finde ich auch, dass mit Benni (Werndl) und Freddy (Wandres) zwei recht neue Namen ganz vorne mitreiten und sich schon mit Siegen international einen Namen gemacht haben. Ich unterstütze den Weltcup in jedem Jahr und ich bin selbst sehr oft im Weltcup gestartet. Es ist immer wieder ein Gradmesser für die Top-Reiter der Welt.

dressursport-deutschland.de: Apropos Weltcup. Beim Weltcup-Turnier in London wurde im Dezember eine verkürzte Grand Prix-Aufgabe geritten und der Ablauf neu inszeniert. Jeder Reiter stieg nach seinem Ritt ab, wurde kurz interviewt und dann wurden die Noten verkündet, eine nach der anderen, Spotlight auf dem jeweiligen Richter. Was sagen Sie dazu?

Monica Theodorescu: Jeder weiß, dass ich kein Freund von verkürzten Aufgaben bin. Aber das inszenierte Verkünden der Ergebnisse ist sicher ein Mittel, um Stimmung und um Gesichter zu den Namen der Richter zu erzeugen. Diesen Ablauf könnte man auch ohne eine verkürzte Aufgabe wählen, wenn es eine Prüfung mit nicht zu vielen Startern ist. Ich denke, das könnte ein Weg sein, um den Dressursport noch spannender für die Zuschauer zu machen.

dressursport-deutschland.de: Das Weltcup-Finale ist das Indoor-Highlight, im August folgt mit der EM in Rotterdam das Outdoor-Highlight der Saison. Wie sieht in diesem Jahr für die deutschen Dressurreiter der Weg zur EM aus?

Monica Theodorescu: Das ist sehr ähnlich zu den vergangenen Jahren. Im Grunde geht es Ende April in Hagen los über die großen Turniere wie München, Hamburg, Wiesbaden nach Balve zur Deutschen Meisterschaft und von dort nach Aachen. Nach Aachen wird wie gewohnt das EM-Team benannt. Etwas problematisch ist in diesem Jahr die zeitliche Verschiebung. Ostern liegt sehr spät, dadurch folgen die wichtigen Turniere alle direkt hintereinander. Das ist etwas unglücklich. Aber natürlich haben auch die Weltcupturniere und andere internationale  CDI 4* und 5* ihre Wichtigkeit und wir sehen die Entwicklung der einzelnen Paare. Alle Erkenntnisse zusammen führen am Ende zur Entscheidung für das Team.

dressursport-deutschland.de: Viele Championatsreiter wachsen in der U25-Tour, im Piaff-Förderpreis, heran. Was erwarten Sie von der U25-Truppe im Jahr 2019?

Monica Theodorescu: Anfang Februar geht es wie immer mit dem Auswahl-Lehrgang für den Piaff-Förderpreis los. Ich bin sicher, dass wir wieder interessante Paare sehen werden. Die Entwicklung geht in letzter Zeit in die Richtung, dass auch schon jüngere Reiter, also im Junge Reiter-Alter, im Piaff-Förderpreis dabei sind. Das finde ich gut und richtig, dass sich die Nachwuchsreiter frühzeitig in Richtung Grand Prix orientieren. Wir versuchen, zusammen mit den Heimtrainern die Lücke nach der Jungen Reiter-Zeit zu schließen. Diese entsteht, wenn erst danach mit dem Training der Grand Prix-Lektionen begonnen wird. Es ist ein großer Schritt vom St. Georg-Niveau zum Grand Prix.

dressursport-deutschland.de: Sie sind seit Oktober 2012 Bundestrainerin der deutschen Dressurreiter. Mit mehr als sechs Jahren Erfahrung: Was ist Ihnen für die kommende Saison noch besonders wichtig?

Monica Theodorescu: Wichtig ist weiterhin unsere gute Kommunikation. Damit meine ich die gute Kommunikation unter uns Trainern mit dem Mannschaftstierarzt und dem Dressurausschuss. Gleiches gilt für die Kommunikation mit den Reitern. Die Basis dafür sind Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt. Dieses ist für mich, genauso wie ein sportlich fairer Umgang, ein wichtiger Schritt zum Erfolg.