Der Reitmeister genießt und reitet! Eine Geschichte in Text und Bild…

 

Reitmeister Hubertus Schmidt hat ein tolles Wochenende bei Horses and Dreams in Hagen hinter sich: Sieg in der Inter I bei seiner Turnierpremiere mit dem siebenjährigen Denoix Pch, einen Finalplatz schon bei der ersten Louisdor-Station mit Bonamour gesichert und den zehnjährigen Escolar in seinem ersten Grand Prix Special direkt mit über 74 Prozent platziert. „Ich reite im Moment sieben Pferde am Tag“, erzählt Schmidt. „Manchmal überlege ich, wen ich mal an einen Bereiter meines Teams abgeben könnte, aber sie machen mir alle sieben so viel Spaß – ich möchte sie einfach alle gerne selbst reiten.“ dressursport-deutschland.de hat mit Hubertus Schmidt über seine 'magischen 'Sieben' gesprochen…

Hubertus SchmidtHagen

Hubertus Schmidt – gut gelaunt in Hagen

• Zuerst ist da natürlich Escolar, der zehnjährige Westfale von Estobar. Vierjährig kam der zweifache Bundeschampion in den Stall von Schmidt. 2017 erreichte Escolar die höchste Wertung, die je ein Pferd in 20 Jahren Qualifikationen zum Nürnberger Burg-Pokal erreicht hat. Ein Jahr später wurde er Vierter im Finale des Louisdor-Preises. Jetzt ist er zehn und ist immer noch 'sehr grün'. „Er hat all die Jahre sehr viel gedeckt, so dass er von Dezember-Januar bis fast August nie voll im Training war und höchsten drei Turniere pro Jahr gegangen ist. Wir konnten praktisch nur drei bis vier Monate pro Jahr wirklich trainieren, aber in dieser kurzen Zeit hat er immer so schnell gelernt – das war unglaublich. Trotzdem bin ich sehr dankbar, dass wir mit den Besitzern die Lösung gefunden haben, dass er dieses Jahr nur im Gefriersperma deckt. Von Januar bis März wurde abgesamt und den Rest des Jahres kann er sich voll auf den Sport konzentrieren. Von der Grundqualität ist Escolar sicher das beste Pferd, das ich je hatte. Sein Galopp ist so enorm groß, dass viele gesagt haben: Er werde nie ein Grand Prix-Pferd, weil man den Galopp nicht kurz genug bekomme. Ich habe aber schon vierjährig gespürt, wie gut er sich reiten lässt. Ich wusste, dass das klappt.“

EscolarBlumen

Escolar und seine Pflegerin Britta

• Dann ist da der ein Jahr jüngere Vollbruder zu Escolar, Escorial. Er steht im Besitz des Gestüts Gut Neuenhof und ist seit sechsjährig auf dem Schmidt'schen Fleyenhof. „Er war nicht ganz so der Strahlemann wie sein Vollbruder. Ich muss ehrlich zugeben, ich habe ihm nicht so viel zugetraut, aber er wurde immer besser und besser. Er hat sich über den Winter noch mal deutlich gesteigert, seine Piaff-Passage-Tour ist richtig gut geworden. Er macht wirklich riesigen Spaß!“

Escorial

Escorial – mit dem Reitmeister im Sattel und Pflegerin Britta

Bonamour ist ein neunjähriger Westfale v. Bonifatius im Besitz von Hanwha Galleria (Korea).
„Bonamour ist einer meiner Lieblinge! Ich habe es selten erlebt, dass ein Pferd so gute Grundqualitäten hat, so gut piaffiert und passagiert und dabei trotzdem absolut brav ist – die Kombination ist selten. Er hat alles, was man für den Grand Prix-Sport braucht und einen ganz tollen Charakter.“
Im Dezember 2018 war Bonamour Fünfter im Finale des Nürnberger Burg-Pokals, in Hagen hat er sich direkt bei der ersten Station des Louisdor-Preises mit Platz zwei seinen Finalplatz gesichert!

Bonamour

Bonamour beim Mittagsschlaf

Apropos Louisdor-Preis – neben Bonamour hat Schmidt in diesem Jahr noch zwei weitere Kandidaten für die Serie für die acht- bis zehnjährigen Grand Prix-Nachwuchspferde: Toscana und Bojing.

• Mit Toscana OLD v. Bentley (geb. 2010) war er bereits vor zwei Jahren im Nürnberger Burg-Pokal-Finale dabei – das war 2017. 2018 ist die Stute nur ein Turnier gegangen: Hagen. Dort hat sie den internationalen Prix St. Georg gewonnen. „Toscana hat drei super Grundgangarten“, schwärmt Schmidt. „Sie guckt nach nichts und ist sehr selbstbewusst. Ich liebe solche Pferde. Ich hoffe, dass sie im Sommer so weit ist, dass ich auch mit ihr im Louisdor-Preis mitreiten kann.“

Toskana

Toscana mit der Siegerschleife

Bojing hat Schmidt im Oktober 2018 in den USA entdeckt. „Ich habe einen Lehrgang in New York gegeben, dabei ist er mir aufgefallen.“ Im 'wahren Leben' heißt Bojing 'Beryll' und stammt von Benetton Dream-Weltmeyer ab. „Ich dachte eigentlich, ich kaufe ein sehr einfach zu reitendes Pferd mit guter Qualität. Aber inzwischen weiß ich: Ich habe ein etwas schwierigeres Pferd mit super Qualität gekauft.“

Beryll

Aus Amerika angereist: Bojing, alias Beryll

Vor dem Louisdor-Preis kommt der Burg-Pokal – auch dafür hat Schmidt dieses Jahr zwei Eisen im Feuer: Goldberg und Denoix Pch.

Goldberg ist acht, stammt von Amazing Star ab und gehört der Equus Invest AG. Fünfjährig hat Schmidt den Hengst einmal in einer Dressurpferdeprüfung der Klasse L vorgestellt, um den Hengst über den Sport als Deckhengst zu qualifizieren. Dann war der KWPN-Gezogene zwei Jahre gar nicht auf Turnier, bis November 2018. „Da habe ich ihn in einer S-Dressur geritten und gewonnen. Dieses Pferd hat alle Möglichkeiten.“

Goldberg

Goldberg hellwach und mit gespitzten Ohren

• Ein Schlitzohr sei er schon, schmunzelt Schmidt, aber ein tolles Pferd, das sich hervorragend ausbilden lässt.“ Die Rede ist von Denoix Pch, geboren 2012, Oldenburger von Destano, im Besitz von Nancy Gooding. Die Besitzerin war es auch, die den Fuchs vierjährig auf der Auktion entdeckt hat. Schmidt hat ihn ausprobiert und hatte sofort 'ein sehr gutes Gefühl'. „Ich arbeite dieses Pferd höchstens 30 Minuten am Tag. Es ist wie bei allen Hengsten: man darf sie nicht zu sehr fordern, man muss immer das richtige Maß finden. Am vergangenen Wochenende in Hagen war Schmidt erstmals mit Denoix auf einem Turnier, in der internationalen Kleinen Tour. Platz zwei war es im St. Georg, der Sieg in der Inter I. „Im St. Georg hatten wir noch einige kleine Macken drin, aber in der Inter hatte ich schon zum Großteil ein sehr gutes Gefühl. Er ließ sich so gut reiten, dass ich im starken Galopp richtig viel riskiert habe und vor dem Wechsel erst sehr spät zurückgeführt habe, dadurch sprang er einmal hinten nach. Aber insgesamt hat er mir ein super Gefühl gegeben und hat sich die ganze Prüfung sehr schön locker über den Rücken bewegt.“ Mit Schmunzeln fügt Schmidt an: „Ich habe schon mal ganz vorsichtig ein paar Piafftritte angetestet – das macht er wie's Gewitter.“

Denoix

Schlitzohr und Hagen-Sieger Denoix

Escolar, Escorial, Bonamour, Toscana, Bojing, Goldberg und Denoix – Hubertus Schmidt genießt und reitet!