Gold: Dorothee Schneider mit Showtime FRH 80,745 %
Silber: Isabell Werth mit Emilio 79,647 %
Bronze: Jessica von Bredow-Werndl mit TSF Dalera BB 79,588 %

Sie hätten es nicht spannender machen können…

 

…Dorothee Schneider, Isabell Werth und Jessica von Bredow-Werndl – die Damen auf dem Podium der Grand Prix Special-Meisterwertung, aber auch die Richter.

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Überragend zeigte sich erneut Showtime. Die Passage-Trab-Tour zu Beginn war ein Gedicht an Energie mit Losgelassenheit, herrlicher Erhabenheit und Sicherheit. Katrina Wüst aus dem Richterteam war begeistert: „In der Tour habe ich dauernd 9er und 10er gegeben.“ Dann der kurze Schreckmoment: Falsches Angaloppieren in X, was sofort von Dorothee Schneider korrigiert wurde. Noch ein kleiner Haker in den Einerwechseln, der Rest der Prüfung wie am Schnürchen. Das bedeutete das zweite DM-Gold für Dorothee Schneider, das zweite mit Showtime, das erste DM-Gold im Special nach ihrem Kür-Gold im Jahr 2016!
„Ich freue mich riesig! Den Deutsche-Meister-Titel hier zu gewinnen – das habe ich vorher nicht zu träumen gewagt. Ich bin so stolz auf Showtime, er hat es verdient. Nach seiner längeren Pause ist er jetzt noch reifer und gelassener – einfach on the top. Ich reite ihn ja seit er drei Jahre alt ist, das ist ein langer, gemeinsamer Weg. Ich habe immer an dieses Pferd geglaubt. Deswegen ist das heute sehr emotional für mich. Aber ich bin auch selbstkritisch, das falsche Angaloppieren war mein Fehler. Da hätte ich Showtime besser vorbereiten müssen. Aber ich bin sehr zufrieden, vor allem die erste Hälfte war einfach toll. Ich liebe dieses Pferd!"

Silber für Emilio unter Isabell Werth. Emilio – er hätte wohl selbst nicht gedacht, dass er heute seiner Stallkollegin Bella Rose den 'Rang ablaufen würde'. „Emilio war wirklich super, top, seine beste Prüfung in diesem Jahr“, lobte Werth ihren 13-jährigen Westfalen. „Er hat sich in den letzten Wochen wie erhofft stabilisiert. Darüber habe ich mich auch mega gefreut!“ Im Grunde hatte Werth wie jeder andere erwartet, dass sich Weltmeisterin Bella Rose vor Emilio setzen würde, aber: Erst das falsche Angaloppieren bei X, dann das Ausfallen aus dem Galopp in der Ecke und dann war der Faden bei Werth gerissen – Zweierwechsel statt Traversale, Verritten! „Ich habe mich schon bei Bella Rose entschuldigt“, erklärt Werth hin und her gerissen zwischen Schmunzeln und Unglaube und Ärger über sich selbst. „Es tut mir leid für sie. Ich habe die Stute um ihren verdienten Sieg gebracht.“ Sie sei wohl schon beim Angaloppieren nicht konzentriert genug gewesen, habe sich vielleicht zu sicher gefühlt. „Im Grunde kann ich nur sagen: Es war unheimlich dämlich.“

Bronze für Jessica von Bredow-Werndl – ihre vierte Medaille bei Deutschen Meisterschaften und die zweite Bronzemedaille mit TSF Dalera BB. Im vergangenen Jahr waren sie Dritte in der Kür geworden. In diesem Jahr erhielten die beiden fast 80 Prozent im Grand Prix Special. „Dalera ist einfach ein abgefahrenes Pferd und gibt mir ein abnormales Gefühl. Sie will alles richtig machen und denkt immer mit, heute ein bisschen zu viel. Aber die allermeisten Lektionen waren sehr gut, darüber kann ich mich freuen“, sagte von Bredow-Werndl.

Auch die Richter haben ihren Teil zur heutigen Dramaturgie beigetragen. Drei aus dem Team der Juroren haben Showtime die Goldmedaille verliehen, die anderen beiden sahen Showtime und Schneider auf Platz vier, also noch nicht maL auf dem Treppchen. Differenz in der Bewertung: 6,372 Prozent. Auch sonst war das Ranking häufig recht bunt, aber manchmal doch etwas verwirrend.

Mit Blick nach Rotterdam
Die Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter dienen auch als erste große Sichtung für die diesjährigen Europameisterschaften, die vom 19. bis zum 25. August in Rotterdam (NED) stattfinden. Zudem wird in Balve das Team für den Nationenpreis beim CHIO Aachen (16.-21. Juli), der zweiten Sichtung, nominiert. Für Bundestrainerin Monica Theodorescu ist die DM deshalb ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt: „Ich sammle hier viele gute Erkenntnisse, alle Pferde sind fit und top in Form. Es gab einige kleine Fehler im Grand Prix und im Special, aber wir sind ja auch noch nicht am Saisonhöhepunkt angekommen. Wir sind auf jeden Fall gut aufgestellt, die Pferde haben keine Schwächen gezeigt. Das war bisher toller Sport mit einigen Überraschungen. Verreiten passiert einfach mal, das braucht man nicht so hoch aufzuhängen. Aber es ist eben teuer.“