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Sie sind als klare Kandidaten für eine Einzelmedaille in Rotterdam angereist, aber am Ende lief es nicht optimal für Sönke Rothenberger und Cosmo. Im Interview mit dressursport-deutschland.de blickt Rothenberger auf die EM zurück und voraus…

dressursport-deutschland.de: Eine Woche nach dem Special-Tag der Europameisterschaften – wie fühlt sich die EM 2019 heute für Sie in der Retrospektive an?
Sönke Rothenberger: Erst mal war es wirklich ein ganz tolles Turnier und super organisiert – vor allen Dingen, wenn man noch die Weltreiterspiele in Tryon vom letzten Jahr in Erinnerung hat (schmunzelt). Sportlich gesehen war ich mit dem Grand Prix noch zufrieden und bin froh, dass ich einen guten Beitrag für das Team leisten konnte – obwohl wir einen teuren Fehler in der Pirouette hatten.

dressursport-deutschland.de: 'Noch zufrieden' heißt, dass Sie mit dem Grand Prix Special nicht mehr zufrieden waren?
Sönke Rothenberger: Im Special hat Cosmo etwas die Kraft gefehlt, das habe ich schon beim Abreiten gemerkt und das hat sich auch durch die Prüfung gezogen. Er hatte teilweise gute Sachen im Special, aber um zum Beispiel in den Einerwechseln, den Trab- und Galoppverstärkungen richtig zu punkten, fehlte etwas die Kraft, die positive Spannung. Zwischenzeitlich ging ihm dann auch die Selbsthaltung etwas verloren, das war auch schon im Grand Prix schwieriger. Vom Gefühl her, war das wahrscheinlich der schlechteste Special, den wir je gezeigt haben. Ich denke, das lag auch daran, dass die Vorbereitung vor Ort nicht optimal für uns gelaufen ist.

dressursport-deutschland.de: Sie spielen auf die Trainingseinheiten mit der Augenmaske an? Was genau, war da los?
Sönke Rothenberger: Ja, genau. Als wir mit Cosmo am Freitag vor dem Championat in Rotterdam ankamen, war noch alles gut, aber am nächsten Morgen hatte er beide Augen angeschwollen. Wir wissen bis jetzt nicht genau, woher das gekommen ist – vielleicht lag es an dem Eichenprozessionsspinner, vor dem vor Ort gewarnt worden ist. Mit Ausnahme der geschwollenen Augen ging es Cosmo gut. Also haben wir uns vor Ort eine Augenmaske besorgt und haben ihn sanft trainiert. Aber natürlich belastet es, wenn die Augen nicht ganz in Ordnung sind. Ich denke, die Leistungsmöglichkeit wird gedämpft und natürlich habe ich auch bewusst nicht so viel im Training gemacht. Inzwischen hatte Cosmo eine Woche zu Hause Zeit, noch mal aufzutanken. Jetzt fühlt er sich wieder top an. Schade, dass die EM nicht diese Woche erst losgeht. (grinst)

dressursport-deutschland.de: 'Zu Hause' bedeutet für Cosmo im Moment noch der Schafhof der Familie Linsenhoff?
Sönke Rothenberger: Bei uns wird fleißig gebaggert und gebaut, aber das stimmt: Im Moment stehen die Pferde noch auf dem Schafhof und dafür sind wir Familie Linsenhoff wirklich unheimlich dankbar. Das große Ziel ist, dass noch vor Weihnachten der neue Stall bei uns fertig ist, eine zweite große Halle wird auch schon gebaut und die kleine Halle etwas verändert wieder aufgebaut. Die Ställe werden anders angeordnet und gebaut als vor dem Brand, aber von der Anzahl der Boxen wird es gleich bleiben. Wenn die Pferde an Weihnachten wieder bei uns zu Hause einziehen könnten, wäre das sehr schön. 2019 war für uns ein 'schwarzes Jahr', daran würden wir alle gerne einen Haken machen.

dressursport-deutschland.de: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft mit Cosmo aus?
Sönke Rothenberger: Jetzt ist die Zeit, um die vergangenen Prüfungen noch einmal in Ruhe zu analysieren und vielleicht auch einige neue Trainingsansätze auszuprobieren. Und dann werde ich mir mit Cosmo noch ein, zwei schöne Turniere dieses Jahr aussuchen, welche steht noch nicht fest. Und mit Santiano würde ich gerne einige Stationen des Weltcups mitreiten – mal schauen, ob wir noch einen Platz in Budapest Ende September ergattern können.