Am 17. Oktober wird Bianca Nowag 25 – „Ja, leider“, gesteht sie. …

 

Damit geht für sie eine tolle Zeit im U25-Lager zu Ende – mit einem sensationellen letzten Jahr: der Schritt in die Selbstständigkeit, Teamgold bei der EM, Kürsilber, Ritt zum Bundeschampion und jetzt kommt noch das Piaff-Förderpreis-Finale. Und dann? Dressursport-deutschland.de im Gespräch mit Bianca Nowag…

dressursport-deutschland.de: Du hattest ein sensationelles Jahr 2019. Wie würdest Du es beschreiben?
Bianca Nowag: Überraschend erfolgreich in jeder Sparte, von den jungen Pferden bis zu den Grand Prix-Pferden. Cool, ein wirklich cooles Jahr, total!

dressursport-deutschland.de:: Der Höhepunkt war die Einzelmedaille, Silber in der EM-Kür, oder?
Bianca Nowag: Ja, das war genial. Ich hatte mich ja schon tierisch gefreut, dass ich in meinem letzten U25-Jahr überhaupt noch mal bei der EM dabei bin. Und dann auch noch mit einem Pferd, das ich erst ein paar Monate im Stall hatte. Insofern bin ich auch sehr entspannt an die EM herangegangen. Dass es dann auch noch mit einer Einzelmedaille geklappt hat, das hat mich so richtig gefreut. Total toll war auch, das sich so viele richtig mit mir gefreut haben – Trainer, Reiterkollegen. Das war absolute spitze.

dressursport-deutschland.de: Anfang September kam dann noch der Titelgewinn bei den Bundeschampionaten, dreijährige Stuten und Wallache. Eine Prüfung, über die eigentlich jedes Jahr wieder diskutiert wird. Wie stehst Du zu den Dreijährigen beim Bundeschampionat.
Bianca Nowag: Ich kann das absolut verstehen, dass man da sehr skeptisch ist. Und wenn ein Pferd nicht ein wirklich gutes Nervenkostüm hat, dann können die Tage in Warendorf auch definitiv stressig sein. Aber mit Escorial war das mega entspannt. Man kann es kaum glauben, aber ich habe ihn wirklich vorher nur ein paar Mal geritten. Erst drei Monate vor dem Bundeschampionat hat mich sein Besitzer, Leonhard Querdel, angesprochen, ob ich ihn mal ausprobieren wolle. Das erste Mal fühlte sich eher an, als ob wir ein bisschen betrunken durch die Halle reiten. Aber er ist unheimlich brav, schlau und sehr unerschrocken. Er steht auf einem Hof, so dass ihn Traktoren oder so was überhaupt nicht jucken. Ein richtiges 'Hofkind'. Und sonst steht er sehr viel auf der Wiese. Als ich bei der EM in Italien war, ist er zwölf Tage nicht geritten worden. Ich habe gar nicht dran gedacht, habe mich einfach draufgesetzt als ich wieder zu Hause war und erst oben habe ich gedacht: 'Oh, hätten wir ihn vielleicht ablongieren sollen?' Aber das war alles gar kein Problem. Und auch beim Bundeschampionat hat er nie einen gestressten Eindruck gemacht. Und er ist in den Wochen vor dem Bundeschampionat unheimlich gereift, ohne viel gearbeitet zu haben, zwei-, höchstens dreimal pro Woche habe ich ihn ganz locker geritten. Aber er gibt einem das Gefühl, dass man schon jederzeit mit ihm eine Kehrtvolte und im Außengalopp weiter reiten könnte. Das wäre natürlich absoluter Quatsch, aber so fühlt er sich an. Das bringt er einfach mit.
Seit dem Bundeschampionat habe ich noch nicht wieder auf ihm gesessen. Er geht jetzt erst mal zurück auf die Wiese ins Spieleparadies.

dressursport-deutschland.de: Das Finale des Piaff-Förderpreises wird Dein großer Abschied im U25-Lager. Wen wirst Du reiten?
Bianca Nowag: Ich habe das große Glück, dass ich zwei Pferde zur Auswahl habe: Sir Hohenstein von Michele Widner und Luciano von Familie von Wulffen. Beide Pferde habe ich in den Qualifikationen geritten und jetzt darf ich aussuchen, wenn ich mit in die Schleyerhalle nehme. Ich bin noch nicht ganz sicher…

dressursport-deutschland.de: Das letzte Jahr war nicht nur sportlich, sondern auch beruflich spannend…
Bianca Nowag:: Ja, vor knapp einem Jahr habe ich mich selbstständig gemacht. Vorher war ich halbtags im Stall Westendarp als Bereiterin tätig, hatte aber auch da schon einige Berittpferde am DOKR in Warendorf. In den drei Jahren bei Westendarps habe ich unheimlich viel gelernt und bin für diese Zeit sehr dankbar. Ich musste allerdings jeden Tag rund zwei Stunden im Auto sitzen, um zu Westendarps zu kommen und zurück. In der Zeit wollte ich lieber noch zwei, drei Pferde reiten (lacht). Also habe ich den Schritt gewagt und es hat von Anfang an super funktioniert. Ich habe jetzt immer acht bis zehn Berittpferde, richtig gute Pferde, gebe Unterricht, habe top Möglichkeiten in Warendorf und meine Trainer sind vor Ort. Besser geht’s nicht.

dressursport-deutschland.de: Gibt es schon einen Plan für 2020?
Bianca Nowag: Mein Ziel ist, im Senioren-Grand Prix-Sport ein bisschen mitzumischen. Noch nicht bei den ganz Großen, aber schon auf ein paar schönen Turnieren und da vielleicht sogar die ein oder andere Schleife abkriegen. Ich würde gerne ein bisschen an dieses sensationelle Jahr 2019 anknüpfen. Von der Qualität der Pferde, der jungen und der Grand Prix-Pferde, von meinen Besitzern, Kunden, Trainern und vom Management her ist die Situation auf jeden Fall so, dass das der Weg sein könnte. Das wäre richtig cool!