Im Gespräch mit Dr. Marc Koene über seine Erfahrungen als Dressur-Vet, dem Unterschied zum Fahrsport-Vet, über Tokio und …

 

dressursport-deutschland.de: Das nächste Jahr wird eine Herausforderung: die Olympischen Spiele in Tokio stehen an. Was geht Ihnen aus Sicht des Tierarztes zuerst durch den Kopf?
Marc Koene: Dass das erste Halbjahr 2020 sehr intensiv wird. Es stehen die Qualifikationen für Tokio auf dem Programm, die Deutschen Meisterschaften, Aachen und Ende Juli gehen schon die Spiele los. Die Pferde, die Tokio gehen, werden wahrscheinlich nicht in der Weltcup-Saison starten. Diese Pferde müssen über den Winter fit gehalten werden, ohne zu große Belastung. Dann wird natürlich das Klima eine Herausforderung. Mit hohen Temperaturen können Pferde eigentlich gut umgehen, aber wenn dann die Feuchtigkeit hinzu kommt, wird es schwieriger. Da genügt es nicht, ein paar Elektrolyte zuzugeben.

dressursport-deutschland.de: Welche weiteren Möglichkeiten haben Sie?
Marc Koene: Da gibt es verschiedene Gedankenspiele. Man könnte den Pferde mit vermehrtem Eindecken das Schwitzen beibringen. Es gibt Pferdesaunen, die sehr gut in der Vorbereitung sein sollen. Und wir müssen überlegen, wie wir die Pferde am schnellsten nach ihrem Wettkampf wieder runter kühlen – mit Eisnebel, Eisschwaden… Wichtig ist dabei: Jedes Pferd braucht es anders, für jedes Pferd muss man das individuell beste Programm finden.

dressursport-deutschland.de: Was ist mit dem Flug?
Marc Koene: Da mache ich mir gar keine Gedanken. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass Fliegen für Pferde weniger anstrengend ist als Lkw-Fahren. Beim Fliegen wird in flachem Winkel gestartet und gelandet und dazwischen wird nicht gebremst. Das ist für die Pferde sehr entspannt.

dressursport-deutschland.de: Haben Sie als Team-Tierarzt auch Bedenken vor Tokio?
Marc Koene: Nein, keine Bedenken, aber ich habe Respekt. Mein größtes Ziel ist es natürlich, alle Pferde gut durch die Wettkämpfe und heil wieder nach Hause zu bringen.

dressursport-deutschland.de: Sie waren elf Jahre lang Mannschafts-Tierarzt bei den deutschen Fahrsportlern, jetzt sind Sie seit fünf Jahren für die deutschen Dressurpferde zuständig. Alles ähnlich oder ganz anders?
Marc Koene: Ganz anders! Mal davon abgesehen, dass der Fahrsport im Gegensatz zur Dressur nicht olympisch ist. Das Management im Dressursport ist schon sehr viel professioneller, auch weil es im Dressursport mehr Möglichkeiten, mehr Mäzene gibt. Viele Pferde müssen nicht verkauft werden, man kann langfristig planen. Die meisten Dressurreiter haben auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten als die Fahrer.

dressursport-deutschland.de: Fünf Jahre – was war der schönste Moment mit den Dressursportlern für Sie?
Marc Koene: Das waren die Europameisterschaften dieses Jahr in Rotterdam. Wenn Pferde über 90 Prozent in der Kür oder über 80 Prozent im Special laufen, dann ist das eine Ausnahmesituation. Wir dürfen nicht anfangen zu denken, dass das normal sei. In Rotterdam hatten wir wirklich eine Menge Gänsehaut-Momente. Dieser Erfolg hat definitiv Spaß gemacht. Alles ist so aufgegangen wie geplant.

dressursport-deutschland.de: Welcher Moment in den vergangenen fünf Jahren hat vielleicht nicht so geklappt wie geplant?
Marc Koene: Das war bei den Weltreiterspielen in Tryon 2018. Da haben wir nicht genau genug gewusst, was uns da erwartet. Wir wussten, dass es warm wird, aber dass es dabei auch so feucht sein wird, fast wie in Tokio, das wussten wir nicht. Darauf waren wir nicht gut genug vorbereitet.

dressursport-deutschland.de: Nach fünf Jahren Erfahrung als Teamtierarzt Dressur – wie würden Sie folgenden Satz beenden: Als Teamtierarzt bei den Dressurpferden ist man…
Marc Koene: …ein Manager für das gesamte Gesundheitssystem, so dass das Beste für die Pferde herauskommt – in Zusammenarbeit mit dem Haus-Tierarzt, den Reitern und Pflegern, Trainern und Besitzern und allen, die mit dem Pferd zu tun haben.