"Wir betreiben zu sehr eine Nabelschau!"

 

20 Jahre lang war er als internationaler Dressurrichter aktiv, seit 2009 mit Fünf-Sterne-Status, bei den Weltreiterspielen 2014 in Caen saß er am Richtertisch. Morgen ist Schluss. Am Samstag, 16. November, wird Dr. Dietrich Plewa zum letzten Mal eine internationale Prüfung richten – bei den German Masters in Stuttgart.
dressursport-deutschland.de im Gespräch mit dem ausgewiesenen Pferdefachmann…

dressursport-deutschland.de: Die Altersgrenze für internationale Richter wurde von der FEI aufgehoben, Sie wollen jetzt mit 72 Jahren trotzdem aufhören. Warum?
Dr. Dietrich Plewa: Zum Einen ist das Richten auf internationalen Turnieren sehr zeitaufwändig. Es wurde für mich zunehmend problematisch, diesen Aufwand leisten zu können. Ich wünsche mir einfach mehr Freiraum für Familie und Beruf. Zum Anderen war ich eigentlich immer jemand, der die Altersgrenze bei internationalen Richtern für die beste unter den schlechten Möglichkeiten gehalten hat. So konnte man den Einsatzbereich klar abgrenzen und dem Nachwuchs mehr Einsatzmöglichkeiten schaffen. Die Lösung, wonach man unter bestimmten Voraussetzungen ohne Altersbegrenzung richten darf, nur nicht auf Championaten – das finde ich sehr unglücklich.

dressursport-deutschland.de: National wollen Sie als Richter aber weiter aktiv bleiben?
Dr. Dietrich Plewa: Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon seit zwei, drei Jahren den Wunsch, mich mehr national zu orientieren. Insbesondere die Beurteilung von jungen Pferden macht mir sehr viel Spaß.

dressursport-deutschland.de: 20 Jahre an internationalen Richtertischen und auf den großen Turnierplätzen dieser Welt. Was war toll, was vielleicht weniger erfreulich?
Dr. Dietrich Plewa: Das Tollste war, dass ich viele neue Leute kennengelernt habe, im In- und Ausland, viele passionierte und fachkundige Experten, die es weltweit gibt. Ein Highlight aus Richtersicht waren sicher auch die Weltreiterspiele in Caen und für mich fast noch wichtiger waren die zahlreichen Einsätze als Richter und Kommentator bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde.
Negative Erfahrungen habe ich zum Glück wenige gemacht. Meines Erachtens ist aber der Ruf der Richterei schlechter als es die Richter verdient haben. Die Richter müssen sich gegen häufig unberechtigte Kritik verteidigen. Wir, die Richter, sind ja wie die Reiter originäre Tierschützer. Auf der anderen Seite sind wir nur 'Diener' dieses Sports.

dressursport-deutschland.de: Das bedeutet?
Dr. Dietrich Plewa: Das bedeutet, dass wir nicht die Protagonisten sind und uns auch nicht so in Szene setzen sollten. In der Außendarstellung einiger Richter, gerade über die sozialen Medien, bekommt man nicht selten den Eindruck, dass wir richtende Touristen sind. Das stört mich. Ich fände es angebrachter, wir berichten nach einem Turnier über besonders gelungene Ritte oder vielversprechende Reiter-Pferde-Paare…

dressursport-deutschland.de: Des öfteren haben Sie auch schon den vermehrten Blick über den Tellerrand gefordert…?
Dr. Dietrich Plewa: Ja, absolut. Wenn ich darüber nachdenke, wie man versucht den Dressursport populärer zu machen und olympiatauglich zu behalten, dann bin ich der Meinung: Wir betreiben zu sehr eine Nabelschau. Es wird zu sehr 'unter uns' gedacht. Wir müssen mehr an die Öffentlichkeit gehen. Wir sollten publik machen, wie faszinierend der Dressursport ist und viel mehr den interessierten Laien einbeziehen. Wir sollten Sponsoren kommentierend begleiten. Was bedeutet Dressurreiten? Es geht um die natürlichen Anlagen eines Pferdes in kultivierter Form – das müssen wir den Pferde- und Tierfreunden erklären.

dressursport-deutschland.de: Einige ihrer Kollegen haben sich ganz dem Richteramt verschrieben, Sie sind – wie anfangs erwähnt – beruflich mit Ihrer Anwaltskanzlei sehr eingespannt. Wie würden Sie die Bedeutung des Richtens für Sie beschreiben?
Dr. Dietrich Plewa: Für mich ist das Richten kein Beruf, sondern ein Teil meines mit Leidenschaft betriebenen Hobbys, dem Dressursport. Ich habe mit neun angefangen zu reiten, ich bilde leidenschaftlich gerne Pferde aus und ich habe alles selbst geritten. Der Umgang mit den Pferden hat mich geprägt. Ja, für mich ist alles rund ums Pferd Leidenschaft.