„Ein ganz besonderes Pferd mit ganz besonderem Charakter“, so beschreibt Helen Langehanenberg ihren Erfolgspartner Damsey. Als Chef einer Lebensmittel-Geschäftskette und als Abfahrtsläufer :-) sieht ihn seine Besitzerin Louise Leatherdale im Gespräch mit dressursport-deutschland.de…

 

dressursport-deutschland.de: Damsey als Mensch – was für ein Typ wäre er?
Louise Leatherdale: Was für eine lustige Frage… Damsey als Mensch… Also, da Damsey das Essen liebt, besonders Bananen und Karotten, könnte ich mir vorstellen, dass er gerne ein Lebensmittelgeschäft besitzen würde. Da er unbedingt der Boss sein möchte, müsste er schon der Besitzer sein – wahrscheinlich von einer ganzen Kette von Lebensmittelgeschäften. Und er hätte sicher viele Hobbys, weil er einfach gerne beschäftigt ist, auf der anderen Seite liebt er aber auch seine Nickerchen zwischendurch. Wahrscheinlich wäre er Abfahrtsläufer, weil das schnell und aufregend ist.

dressursport-deutschland.de: Wieso ausgerechnet Damsey, wie haben Sie ihn gefunden?
Louise Leatherdale: Im Grunde war es unser Partner Jens Meyer, der zuerst von Damsey gehört hat. Wir haben ihn zweijährig auf der Körung gesehen, aber er war ein ganz normaler Zweijähriger und war noch nicht so weit entwickelt. Seine Hengst-Leistungsprüfung hat Damsey in Adelheidsdorf absolviert und war in toller Form, aber dann bekam er Fieber. Seinem damaligen Besitzer wurde gesagt, der Hengst könne die Prüfung abbrechen, würde dann allerdings eine Durchschnittsnote bekommen. Gott sei Dank war der Besitzer clever, hatte das Potenzial von Damsey erkannt und sich nicht darauf eingelassen. Er hat Damsey einfach mit nach Hause genommen und ihn gesund werden lassen. In der Zeit hat Jens von ihm gehört und von der Option ihn zu kaufen. Es war eine Woche vor Weihnachten als Jens uns anrief und meinte, wir müssten unbedingt nach Deutschland kommen und diesen Hengst angucken. Ich war im vorweihnachtlichen Stress also ist mein Mann Doug alleine geflogen und hat mit Jens den Hengst angesehen. Wir haben immer alle unsere Pferde zusammen gekauft, es war für mich wirklich eine schwierige Entscheidung, nicht mitzufliegen. Nachdem Doug Damsey gesehen und mit dem Besitzer verhandelt hatte (und nach sehr vielen Telefonaten von Doug und mir), haben wir diesen wunderbaren Hengst gekauft und ihn zur Hengststation Meyer gebracht, wo auch schon His Highness stand.

dressursport-deutschland.de: Wie würden Sie Ihre persönliche Beziehung zu Damsey beschreiben, wissend, dass Sie viele Kilometer entfernt wohnen…
Louise Leatherdale: Ja, es ist leider so, dass meine Zeit mit ihm immer sehr kurz ist, weil ich in den USA wohne. Trotzdem, er erkennt mich immer, wenn ich komme – wie meine anderen Pferde. Vielleicht weil ich immer dasselbe Parfum benutze und weil ich diejenige bin, die ihm immer viele Küsse gibt und viele Bananen und Karotten mitbringt. Ich verlange nie etwas von ihm, ich bringe nur meine Liebe für ihn mit. Aber ich muss immer schnell mit meinen Küssen sein, weil er ein schnelles Pferd ist :-)

dressursport-deutschland.de: Warum passen Helen (Langehanenberg) und Damsey so gut zusammen?
Louise Leatherdale: Ich glaube, in erster Linie respektiert Damsey Helen und weiß, dass alles, was sie von ihm verlangt, fair ist. Ich denke, das erwarten alle Pferde, aber ganz besonders intelligente und starke Hengste.

dressursport-deutschland.de: Was bedeutet es für Sie, Pferdebesitzer zu sein?
Louise Leatherdale: Für Doug und mich war es immer wichtig, dass wir den Pferden dabei helfen, ihr Potenzial entfalten zu können. Aus diesem Grund war es für uns – und für die Pferde – immer von großer Bedeutung, dass die Pferde in ihrem Zeitrahmen lernen dürfen und nicht im Zeitrahmen, der durch den Reiter gesetzt wird. Ich durfte erleben wie Damsey sein Potenzial erreicht hat und es immer noch weiter wuchs. Das macht mir unheimlich viel Freude. Einer der besten Momente in den vergangenen Jahren war, Damsey und Helen bei ihrer Kür in Schweden (Anm. der Red. Weltcup-Finale Göteborg 2019) zu erleben, als Damsey die letzte Linie mit 'full speed' präsentierte. Das hat mir den Atem genommen ( und ich glaube dem Richter bei D auch :-)). Damsey wusste genau, was er tat. Das war ein toller Ritt. Ich habe viele Freudentränen geweint!

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Damseys Team – hier mit Stallkollege Hollywood: Helen Langehanenberg, Ann-Christin Berger, Louise Leatherdale und Susanne Meyer.

dressursport-deutschland.de: Haben Sie je daran gedacht, Damsey in die USA zu holen?
Louise Leatherdale: Nein, daran habe ich nie gedacht. Sein Platz ist definitiv im Dressurviereck mit Helen. Es ist reine Schönheit, den beiden beim Tanzen zuzusehen.

dressursport-deutschland.de: Damsey ist jetzt 18 – haben Sie schon über einen Zeitpunkt für seinen Abschied aus dem Sport nachgedacht?
Louise Leatherdale: Damsey wird uns sagen, wann es so weit ist. Und wir werden auf seine Bedürfnisse hören – wie immer. Ich bin hoffnungsvoll, dass die Züchter in Deutschland und Europa erkennen, was er seiner Nachzucht zu bieten hat. Ich kann kaum in Worte fasse, was Damsey seinen Söhnen und Töchtern mitgibt – unglaubliches Bewegungspotenzial, Talent und eine fantastische Arbeitseinstellung. Ich weiß das. Ich höre es von vielen Züchtern rund um die Welt und ich selbst habe einige wunderbare Nachkommen von ihm.