Er hat seinen Bachelor of international Business Administration an der Frankfurt School of Finance gemacht, aber die Pferde sollen in seinem Leben die Nummer eins bleiben – auch beruflich. Im Gespräch mit Sönke Rothenberger – über seine Pläne, seine Philosophie, den kompletten Umzug und warum er 'Online-Turniere' für schwierig hält.

 

dressursport-deutschland.de: Als Sportreiter bremst Dich die Corona-Krise ebenso aus wie Deine Kollegen, Dein anderes 'Pferdestandbein' ist davon weniger betroffen…
Sönke Rothenberger: Ich hatte natürlich den Winter genutzt, um zu trainieren und wollte jetzt in der Freiluftsaison wieder angreifen. Hagen stand wir immer fest bei mir im Programm, aber das wird ja nun alles nichts und es sieht so aus, als ob das auch noch länger dauert. Ersatzweise an einem Online-Turnier teilnehmen – das kann ich mir für mich nicht vorstellen. Ich halte Online-Turniere insgesamt für schwierig. Meinen Pferden geht es auch ohne Turniere gut, sie sind alle fit und fröhlich. Und die Youngster wachsen munter weiter.

dressursport-deutschland.de: Die Youngster sind ein Stichwort – Du hast in den vergangenen zwei Jahren fleißig in Fohlen investiert. Was ist die Philosophie dahinter?
Sönke Rothenberger: Ja, das stimmt. Ich habe jetzt 16 Zweijährige, dazu kommen 23 Jährlinge und dieses Jahr möchte ich noch einmal etwa zehn Fohlen dazu kaufen. Die meisten habe ich als Fohlen gekauft, einige Selbstgezogene sind auch dabei. Wirklich gute Pferde mit fünf oder sechs Jahren sind kaum zu bekommen und bei den dann verlangten Preisen fällt man in Ohnmacht. Deshalb versuche ich, gute Fohlen zu kaufen und hoffe, dann ein oder zwei Kracher dabei zu haben. Man darf nicht glauben, dass man ein Guru ist, zwei Fohlen kauft und davon entwickelt sich einer zum Knaller. Ich denke, wenn zehn Prozent richtig gut werden, dann ist das schon klasse.

dressursport-deutschland.de: Du bist selbst Sportreiter – was passiert mit denen, die sich als Knaller entlarven?
Sönke Rothenberger: (lacht) Da muss man abwägen. Mal muss man einen verkaufen und dann kann man wieder einen behalten.

dressursport-deutschland.de: Die Frage, die immer wieder diskutiert wird, wenn es um Fohlen geht: Was ist am Wichtigsten?
Sönke Rothenberger: Drei sehr gute Grundgangarten, ein korrektes Fundament und ein super Mutterstamm. Wenn man sich die Spitzenpferde ansieht: Fast immer steht ein super Mutterstamm dahinter. Und bei den Hengsten versuche ich, auf einen Mix aus bewährten und neuen modernen Hengsten zu bauen. Die Zucht entwickelt sich so schnell, da sollte man meiner Meinung nach nicht nur auf altbewährte Hengste setzen.

dressursport-deutschland.de: Seit gut einer Woche sind alle Pferde in ihr neues Zuhause eingezogen?
Sönke Rothenberger: Ja, vor einer Woche wurde der neue Hauptstall fertig, jetzt sind alle in ihren Boxen eingezogen. Wir sind noch fleißig am Hin- und Herräumen und draußen säen wir noch Rasen ein, da ist noch viel Erdfläche von den Bauarbeiten. Vieles ist noch ungewohnt. Der alte Stall, die alten Gebäude hatten definitiv ihren Charme, aber jetzt ist es auch sehr schön. Wir hätten nach dem Brand auch alles wieder genau so aufbauen können, aber das haben wir bewusst nicht gemacht. Wir wollten nicht jeden Tag daran erinnert werden.

dressursport-deutschland.de: Bachelor of international Business Administration – damit stünden Dir auch viele andere Türen offen…
Sönke Rothenberger: Aber Pferde machen mir einfach am meisten Spaß. Ich könnte mir nie vorstellen, den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen. Ich möchte den ganzen Tag etwas machen, was mir Spaß macht – und das sind die Pferde.