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Warum lassen wir bei nationalen Prüfungen keine halben Noten zu?

Das war ein Thema am Rande der Stuttgart German Masters, auch ausgelöst durch den Piaff-Förderpreis. Der Förderpreis ist eine nationale Prüfung. In national deutschen Prüfungen dürfen die Richter nur, wie früher, mit ganzen Noten werten. Aber die Kritik an diesem System wird immer lauter.

„Die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren mit halbe Noten gemacht haben, sind weltweit positiv“, betont Fünf-Sterne-Richter Peter Holler. „Es macht das Richten genauer. Es gibt weltweit praktisch kein Land, das nicht auch national halbe Noten zulässt, nur wir in Deutschland arbeiten noch mit ganzen Noten.“
Der Einsatz ausschließlich ganzer Noten sei aus dreierlei Perspektive nicht glücklich, erklärt Holler. Ausländische Richter sind komplett daran gewöhnt, mit halben Noten zu arbeiten. Auch den deutschen international erfahrenen Kollegen fehlen die halben Noten, vor allen Dingen auf hohem Niveau. Und es werde genauer und positiver mit halben Noten gerichtet. Man könnte als vierte Perspektive eventuell auch noch die Vergleichbarkeit von nationalen und internationalen Ergebnissen in Erwägung ziehen, wobei das sowieso immer schwierig und schlecht vergleichbar ist.
„Am Anfang waren viele Richter kritisch, als es um die Einführung der halben Noten ging. Ich auch“, erinnert sich Holler. „Aber inzwischen kenne ich keinen Richterkollegen, der sie nicht gut findet. Selbst die stärksten Kritiker sind inzwischen zu Verfechtern geworden.“
Nach Rücksprache mit einigen Richtern ist eigentlich kein Argument aufgetaucht, warum man die halben Noten nicht auch national in Deutschland einführen sollte – ab M- oder S-Niveau. „Oder wenigstens ab St. Georg, dann haben die Richter auch auf jeden Fall genug Erfahrung, um damit umgehen zu können“, fügt Holler an.