Zum heutigen 80. Geburtstag von Dressurrichter Dr. Dieter Schüle ein Gastbeitrag von Katrina Wüst…

 

Dr. Dieter Schüle wird 80 - ein Leben ist nicht genug

Es war Dr. Dieter Schüle aus Ansbach nicht in die Wiege gelegt, dass er mal zu einem der bedeutendsten Pferdeleute im bayerischen, deutschen und internationalen Sport werden würde, stammte er doch aus einem Elternhaus, das seit Generationen aus Apothekern und Ärzten bestand. Reiten war da nicht angesagt, stattdessen schickte Vater Schüle seinen Sohn lieber zum Boxen. Dieser ließ sich schon damals nur äußerst ungerne 'fremdbestimmen' und schlich sich stattdessen lieber zum Reitclub 'Alte Ulanen' in Ansbach, der nach den Kriegswirren seine Aktivitäten wieder aufgenommen hatte. Ein eigenes Pferd rückte Vater Schüle allerdings erst heraus, nachdem ihn Sohn Dieter mit einem Einser-Vorexamen in Medizin davon überzeugen konnte, dass das Ausüben des Reitsports zu einem erfolgreichen Studium von Medizin und Pharmazie beiträgt. So kam er zu seinem ersten Pferd, 'Jolly Joker', mit dem er Vielseitigkeit ritt, bis er - eine einzige Disziplin ist nicht genug - mit Schulpferden der Reitschule Ansbach ebenfalls erfolgreich im Parcours sowie in der Dressur bis hin zur Klasse S unterwegs war. Nebenbei schloss er - ein Studium ist nicht genug - sein Pharmaziestudium wie auch sein Medizinstudium erfolgreich ab, um danach noch zum Dr. med. zu promovieren.

Als Studentenreiter der Reitgruppe Erlangen hatte er seine Frau Ute kennengelernt, die ihm in den kommenden Jahrzehnten sowohl in der Apotheke wie auch im heimischen Turnierstall mit Rieseneinsatz den Rücken frei gehalten und mit ihm zusammen einen großen Anteil an den 13 Goldmedaillen und vielen weiteren Erfolgen der Töchter Stephanie und Christina auf nationaler Ebene und internationalen U-21 Championaten hatte.

Grand Prix Richter seit 1980 wurde Schüle durch seinen klaren Blick fürs Wesentliche und seine Unabhängigkeit national wie auch international schnell zu einem gefragten Fachmann. Neben zahlreichen bedeutenden Turnieren im In- und Ausland waren die Olympischen Spiele 2004 in Athen und die Weltmeisterschaften 2006 in Aachen die Höhepunkte seiner Karriere. Als Pferdemann durch und durch mit Liebe zu qualitätsvollen jungen Pferden gehörte er lange Jahre zur Stammbesetzung beim Bundeschampionat und dem Finale des Nürnberger Burgpokals.

Jedoch - das Richteramt war nicht genug - stellte Dieter Schüle auch im Ehrenamt seine große Kompetenz dem Pferdesport zur Verfügung: Vom Vorsitzenden der LK Bayern und Vizepräsident des Bayerischen Verbandes bis hin zur Mitgliedschaft im Dressurkomitee des Weltreiterverbandes (FEI), vom Vorsitzenden der Ausschüsse Dressur sowie Basis- und Aufbauprüfungen der DRV bis hin zum Richterbeobachter der FEI bei den Olympischen Spielen 2012 in London hat sich Dieter Schüle immer mit ganzem Herzen und voller Begeisterung eingebracht. Und so sehr er sich über seine Auszeichnungen wie die Goldene Ehrennadel des BRFV oder das deutsche Reiterkreuz in Silber gefreut hat, hat es ihn dennoch am meisten befriedigt, wenn er mit seinen Ideen und seinem Engagement den Sport weiterbringen und das Richten einheitlicher und besser machen konnte.

Wir müssen in Zukunft auf einen kenntnisreichen, passionierten Kollegen verzichten, mit dem man leidenschaftlich diskutieren und manchmal auch streiten konnte, der einen aber immer zum Nachdenken angeregt und damit letztlich weitergebracht hat; der in jedem Konflikt um eine konstruktive Lösung bemüht war, und dem es immer um das große Ganze und nie um die eigene Person ging.
Wollen wir hoffen, dass ihm, dem Umtriebigen, auch die Rente nicht genug ist, und dass wir ihn noch oft auf den bayerischen Turnieren zu sehen bekommen!
Katrina Wüst

***Auch wir von dressursport-deutschland.de gratulieren dem Olympiarichter Dr. Dieter Schüle sehr herzlich zu seinem runden Geburtstag!