Im Gespräch mit Dr. Evi Eisenhardt – in London am Richtertisch. "Das war irrer Sport!"

Frage: Die erste Prüfung ist vorbei, der Grand Prix, wie war’s?
Eisenhardt: Toll! Das war irrer Sport. Und wenn man sich die Spitzengruppe, die ersten zehn, ach, was sage ich, die ersten 20 ansieht, das ist schon verrückt und es wurde super geritten.

Frage: Vor zwei Jahren waren Sie auch bei den Weltreiterspielen im Einsatz. Was hat sich seitdem verändert?
Eisenhardt: Die Spitzengruppe ist größer geworden und noch mehr zusammen gerückt. Dadurch ist natürlich auch das Richten schwerer geworden, weil alle näher zusammen liegen.

Frage: Wie sehr denkt man daran, das man bei Olympischen Spielen ist, wenn man am Richtertisch sitzt?
Eisenhardt: Gar nicht. Ich sage mir immer: Guck den Pferden ins Gesicht, für die ist das auch nur ein Reitturnier wie jedes andere.

Frage: Sie hatten während des Grand Prix die Richterposition bei F, das bedeutet, Sie haben von hinten gerichtet. Wie war das für Sie?
Eisenhardt: Ich habe schon bei der EM im vergangenen Jahr in Rotterdam von der hinteren kurzen Seite gerichtet und mir davor ein bisschen Sorgen gemacht, dass das eine ganz fremde Position ist. Aber das stimmt gar nicht. Ich bin ja früher auch geritten und sehr häufig guckt man dann den Kollegen vom Einritt, also aus dieser Position zu. Der Blickwinkel war eigentlich von Anfang an völlig normal.

Frage: Es ist das erste Mal, dass zwischen den Prüfungen mehrere Tage frei sind. Kann das ein Problem werden?
Eisenhardt: Nein, ein Problem nicht, aber ich hätte es bevorzugt, wenn’s schneller gegangen wäre und für die Pferde wäre das auch die bekanntere Art und Weise gewesen.

Frage: Wie sind Sie mit sich und Ihrem Richterteam nach den ersten beiden Tagen zufrieden?
Eisenhardt: Im Schnitt wurde, denke ich, ungewöhnlich gut gerichtet. Jeder von uns hat sicher irgendwo mal was drin, aber im Ganzen sieht das sehr gut aus auf der Ergebnisliste.

Frage: Hat sie irgendein Paar, ein Team überrascht?
Eisenhardt: Ich hatte eigentlich erwartet, dass die Dänen vor den Niederländern liegen werden, aber nach dem Grand Prix ist die Niederlande auf Platz drei vor den Dänen auf vier.

Frage: Drei Reiter pro Team, das hatte in den ersten beiden Tagen schon heftige Auswirkungen.
Eisenhardt: Ja, das stimmt. Bei den Schweden war Santana von Minna Telde in der Piaffe ungehorsam und ist gestiegen, dadurch ist ihre Note auf 67 Prozent abgesackt und das Team auf Platz sieben. Bei den Kanadiern ist das Team sogar gesprengt worden durch den Totalausfall von Capital unter David Marcus.

Frage: Apropos Capital. Das Pferd ist völlig durchgedreht im Viereck. Wie genau lautet die Regel, nach der hier abgeläutet wurde?
Eisenhardt: Bei Ungehorsam von länger als 20 Sekunden wird abgeläutet oder wenn es lebensgefährlich wird auch früher – und das war gefährlich. Das Pferd war ja in völliger Panik und war zudem auch schon die 20 Sekunden ungehorsam. Der Chefrichter hatte keine andere Chance, als abzuklingeln.

Frage: Es gab einige Diskussionen heute in der Pressestelle ob des Richtverfahrens in der Kür. Auf unserem Info-Blatt der Journalisten steht, dass sich drei Richter in der Kür um die technische Note kümmern werden und vier um die artistische. Stimmt das?
Eisenhardt: Nein, das ist quatsch. Ich habe mich gerade noch einmal bei Dieter Schüle, der ja hier zum JSP gehört, schlau gemacht. Der hat nur gelacht und gesagt: ‚Wir werden nachher alle Richter zum Vorsingen bestellen und wer am schlechtesten singt, muss die Musik richten.’

Frage: Am Geländetag der Vielseitigkeitsreiter sind Sie angereist. Was sind Ihre ersten Eindrücke von Greenwich?
Eisenhardt: Ich bin völlig beeindruckt, wie gut das hier alles organisiert ist – zumindest aus Sicht der Richter. Von der Akkreditierung bis zum Hotel in Laufnähe ist alles prima.