Es war ihr erster Start bei einem Bundeschampionat und sie verließ Warendorf mit einer Championschleife. Kristina Sprehe ist gut in Form im Jahr 2012. Und sie ist toll beritten! Natürlich ging vor Ort in Warendorf sofort das vergleichen los: Welcher ist besser – Olympiapartner Desperados oder Bundeschampion Fürst Fugger. Aber Vater Paul Sprehe wiegelte ab. „Das kann man noch nicht sagen. Fürst Fugger muss erst mal noch all das lernen, was Desperados schon kann.“
Eins können beide: Beeindrucken im Viereck. Der sportliche elegante Fürst Fugger beeindruckte heute beim Finale der sechsjährigen Dressurpferde mit einem tollen ausbalancierten Galopp (9,5), mit einem sehr guten und sicheren Schritt (8,5) und vor allen Dingen mit enormer, elastischer und engagierter Trabmechanik. Wie schon bei seinem Championatssieg als Vierjähriger, damals noch unter Sprehe-Bereiter Lukas Fischer, erhielt Fürst Fugger die Traumnote 10 für den Trab. Aber mit nur einer Zehn hat sich der Fürst Heinrich-Sohn nicht 2010 begnügt, damals bekam er noch eine Zehn im Fremdreitertest, und auch nicht 2012. In diesem Jahr gab es die zweite Zehn für den Gesamteindruck.
Kommentator Christoph Hess schwärmte von einem Ritt vom „Aller-, Aller-, Aller-, Allerfeinsten“ und von „Elastizität, wie man sie sich kaum besser vorstellen kann.“
Ein herrlicher Bundeschampion, vom Publikum lautstark gefeiert und das Schönste daran – bei all dem Trubel um ihn blieb Fürst Fugger komplett gelassen. Auch vom Interieur ein wahrer Champion.
Gezogen hat Fürst Fugger Renate Renschen aus Cloppenburg. Zweieinhalbjährig hat Familie Sprehe dann Fürst Fugger, den Oldenburger Hengst, auf der Westfalen-Körung gekauft. Nein, es war nicht von Anfang an klar, dass das ein Pferd für Kristina werden würde, aber „Eines Tages hat uns Paul Sprehe gefragt, ob wir ihn nicht mal für Kristina ausprobieren wollen“, erklärte Trainer Jürgen Koschel, „und das haben wir getan und es hat gepasst!“ Auf diese Worte folgte das typische Koschel-Strahlen, wenn er sich über den Erfolg von einem seiner Schüler genau so freut wie der Reiter, die Reiterin selbst. Kristina hat in diesem Jahr fünf Turniere mit Fürst Fugger bestritten und schwärmte in Warendorf: „Er ist super rittig, leichtfüßig, lernt sehr schnell und er kann sich im Viereck unheimlich gut konzentrieren. In dem Punkt ist er wirklich genau wie Desperados.“ Und weil er so schnell lernt, streben Kristina Sprehe und Koschel mit Fürst Fugger schon im kommenden Jahr einen Start im Nürnberger Burg-Pokal an. „Er springt jetzt schon die Serienwechsel, macht hervorragende Traversalen“, lobt Koschel den neuen Bundeschampion. „Das fliegt ihm alles so zu. Das einzige, was wir noch nicht so mit ihm geübt haben, sind die Pirouetten. Aber wenn man sich anguckt, wie versammlungsfähig er im Galopp ist, dürfte das auch kein Problem werden.“

Auch Sprehes Olympiakolleginnen Schneider und Langehanenberg waren im Finale der Sechsjährigen vertreten. Fünfte wurde Reliance, der Vollbruder zu Helen Langehanenbergs ehemaliger Erfolgsstute Responsible, und auch von Langehanenberg in Warendorf präsentiert (8,2). Showtime v. Sandro Hit folgte unter Dorothee Schneider mit 8,1, gleichauf mit Sir Fashion v. Sir Donnerhall unter Juliette Piotrowski. Und mit dem Trakehnerhengst Amadelio wurde Schneider zudem auch noch Achte mit der Endnote 8,0.