Im Interview mit Olympiakaderreiter Benjamin Werndl – über seine aktuelle Pferdesituation, Daily Mirror, der nicht auf dem Abstellgleis steht, und womit er sehr gerne seine Reiselust kombiniert…
dressursport-deutschland.de: Du hast im Januar in Basel Daily Mirror in super Verfassung in die turniersportliche Rente verabschiedet. Wie geht’s ihm?
Benjamin Werndl: Ihm geht es sehr gut. Er wird so behandelt, als ginge für ihn alles weiter wie bisher. Er soll nicht das Gefühl haben, dass er jetzt auf dem Abstellgleis steht. Er ist immer noch wichtig und wird gesehen. Das hat er verdient. Ich reite ihn zusammen mit Sophia, einer Mitarbeiterin aus unserem Stall. Ich werde ihn auch noch mal zeigen, beispielsweise bei Aubenhausen Live, weil er es einfach genießt, sich zu präsentieren. Mit seiner Besitzerin, Flora Keller, ist es so besprochen, dass er bei uns bleiben darf, was mich sehr freut.
dressursport-deutschland.de: Jetzt zu den aktuellen Sportlern – was macht Deine Nummer eins, Dein WM-Partner von Herning, Famoso?
Benjamin Werndl: Famoso steht in den Startlöchern. Er fand es nicht so cool, dass er im Januar nicht mit nach Basel durfte (lacht). Er ist schon gerne auf Turnier. Mit ihm gehe ich als nächstes zum Weltcup-Turnier nach `s-Hertogenbosch (Ende Februar), es wird für ihn erst die zweite Station in dieser Saison. Ich bin ganz realistisch, was das Weltcup-Finale angeht. Da bin ich im Moment hinter Isabell und Ingrid ‚nur‘ an dritter Stelle. Ich würde das Finale nicht ‚von der Bettkante‘ stoßen, aber ich lasse das jetzt einfach mal los und schaue, was kommt. Und natürlich habe ich mit einem Auge schon den Fokus auf die grüne Saison.
dressursport-deutschland.de: Discover hat am vergangenen Wochenende in Stadl Paura das erste Mal Drei-Sterne-Prüfungsluft geschnuppert und hat die Premiere mit Bravour bestanden: zwei Siege mit tollen Prozenten. Was sind Deine Pläne mit ihm?
Benjamin Werndl: Discover kann alle Lektionen, aber trotzdem ist er mit seinen zehn Jahren natürlich noch grün. Ich freue mich sehr, dass wir jetzt den nächsten Schritt gemacht haben, in dem er jetzt weiter Routine sammeln darf. Discover ist sehr eifrig, positiv an und will alles richtig machen. Er ist unglaublich fein, manchmal fast zu fein, aber genau das will man ja.
dressursport-deutschland.de: Was kommt danach, wie bist Du mit Nachwuchs aufgestellt?
Benjamin Werndl: Ich habe noch einen Zehnjährigen, ganz spannend, das ist Dionysos de Massa. Er ist Halb-Lusitano. Ihn habe ich in Stadl Paura noch mal auf M-Niveau vorgestellt, um ihm noch mehr Sicherheit zu geben. Er hat alles drin für Grand Prix, Piaff-Passage macht er sehr gut. Dionysos ist genauso alt wie Discover, der eine ging jetzt Inter II in Stadl Paura, der andere ‚nur‘ M, aber trotzdem sind sie dichter beieinander, als man denkt. Und ich freue mich auf beide sehr in der kommenden Saison.
dressursport-deutschland.de: Dann hast Du ja noch einen sehr nahen Dalera-Verwandten unter dem Sattel...
Benjamin Werndl: Der ist natürlich auch hochspannend: Dallenio. Er ist ein Dreiviertel-Bruder zu Dalera, ist acht und ging am Wochenende seine ersten S-Dressuren, die er beide super gemeistert und gewonnen hat. Er ist sehr besonders! Im Grunde macht ihn das gleich aus wie Dalera. (schmunzelt)
dressursport-deutschland.de: Und ein paar Youngster wachsen auch noch hinterher…?
Benjamin Werndl: Ich habe mit Jessi zusammen eine ganze Hand voll Vier- Fünf- und Sechsjährige oder sogar etwas mehr, auf die ich sehr gespannt bin. Und dann ist da auch noch die jetzt siebenjährige Birkhof’s Zieta, eine Tochter von Zalando mal Briar, die wir vor einem Jahr gekauft haben. Wir waren noch nie so gut mit jungen Pferden aufgestellt, das ist schon cool und sehr spannend.
dressursport-deutschland.de: Einen kleinen Schlenker gönnen wir uns zum Schluss – Du warst einige Tage in Wellington?
Benjamin Werndl: Ja, das stimmt, es waren zwar nur ein paar Tage, aber es war eine schöne Mischung aus Sonne tanken, trainieren, Freunde treffen. Ich war in den vergangenen Jahren schon häufiger da und kenne inzwischen viele Leute dort. Es ist ein besonderer Ort, weil man so viele Leute dort an einem Platz trifft. Es ist fast wie Urlaub mit lauter Reitleuten.
dressursport-deutschland.de: Stichwort ‚Trainieren‘ – welchen Stellenwert nimmt Dein Trainer-Dasein ein?
Benjamin Werndl: Das ist ein zweites Standbein, das Reiten steht natürlich noch absolut im Vordergrund. Ich trainiere sehr gerne und, ich glaube, ich bin auch gut darin. Die Rückmeldungen bestätigen mir das. Das Schöne ist außerdem, dass ich das Trainieren mit meiner Reiselust kombinieren kann – so wie jetzt in Wellington oder zuvor, als ich eine Klinik in Japan gegeben habe.

