Im Gespräch mit Cheftrainerin Monica Theodorescu… Wovor sie den Hut zieht, für wen die Erkenntnisse von Balve wichtig waren, wer tatsächlich in der Weltspitze angekommen ist und was Dalera im Special so gut wie noch nie gezeigt hat.
• Führung mit dem Team nach dem Grand Prix, aber dann kam ein wichtiger Tag, der freie Freitag, wie gestaltet man den, wenn man am nächsten Tag den Nationenpreis gewinnen möchte?
Monica Theodorescu: Wir haben natürlich erst mal den Grand Prix-Tag analysiert und waren eigentlich total happy, außer natürlich mit der Verunsicherung von Sönke (Rothenberger) und Fendi. Das passiert mit einem jungen Pferd, aber wir waren bei Fendi doch überrascht, dass er so auf die Atmosphäre reagiert hat. Wir haben Fendi deshalb an dem freien Freitag früh im Stadion, als die Reitzeit war, ganz in Ruhe gearbeitet und auch Sönke wieder aufgebaut. Der war natürlich enttäuscht, aber wir haben darüber gesprochen, dass das kein Drama war. Und ich kann nur sagen: Sönke hat das mit Fendi unwahrscheinlich gut gemacht, ihm wieder Vertrauen gegeben und ich ziehe jeden Hut vor dieser Leistung heute im Special: Er hat das Pferd angemessen durch den Special gesteuert, ihn unterstützt und nicht zu viel verlangt, sondern eine sichere Runde gezeigt – wenn man so will, waren die Beiden heute auch die einzigen mit einer fehlerfreien Runde – das hat Sönke wirklich großartig gemacht.
• Thema für Fendi war die Sicherheit, wie war die ‚Taktik‘ mit den anderen drei Paaren?
Monica Theodorescu: Die anderen drei Pferde haben wir am freien Tag ziemlich gemütlich trainiert, der eine hat etwas weniger gemacht, der andere etwas mehr, aber alle ganz entspannt. Easy. Wir haben natürlich mit allen darüber gesprochen, was sie im Grand Prix gefühlt haben, was sie mitgenommen haben und was ich gesehen und in den Protokollen gelesen habe – das alles haben wir zusammen besprochen, dafür war der Freitag ein guter Tag.
• Zum entscheidenden Special heute – erzähl uns Deine Gedanken zu Quantaz…
Monica Theodorescu: Ich konnte Quantaz in der Prüfung leider nicht sehen, weil ich draußen bei Freddy geblieben bin, aber Quantaz machte schon beim Abreiten einen sehr guten Eindruck: ruhig, aufmerksam, aber trotzdem entspannt. Nach der Weltcup-Saison war er wieder mit mehr Gelassenheit unterwegs. In Balve war er doch noch etwas angespannt. Das ist auch nicht ungewöhnlich nach einer Weltcup-Saison, bei der immer Kür geritten wird, es immer laut ist und mit viel Publikum und mit gewaltigen Siegerehrungen. Das ist toll für den Sport, aber auch anstrengend für die Pferde und deshalb müssen sie danach auch die Gelegenheit bekommen, wieder durchzuatmen. Dazu kam die Reise nach Omaha, das ist schon ein Riesenaufwand und nicht mal so eben mit dem Finger in der Nase. Die zeit danach war für Quantaz wichtig, wieder in Ruhe zurückzukommen. Die Erkenntnisse von Balve waren wichtig für hier und das hat Isabell (Werth) mit ihrer ganzen Erfahrung super umgesetzt. Er ließ sich hier wieder gut reiten und arbeiten und ist zur Ruhe gekommen. Sie selbst sagte, dass sie selten ein so gutes Gefühl wie heute auf ihm gehabt hat. Nach den Einerwechseln hat er sich einmal erschrocken, aber das kann passieren und er ist gleich wieder ruhig geblieben. Das hat ein paar punkte gekostet, hat aber der Mannschaft keinen Abbruch getan.
• Ein paar Worte zu Frederic Wandres und Bluetooth…
Monica Theodorescu: Bluetooth kommt langsam wirklich in der Weltspitze an. Er wird kontinuierlich immer besser. In der Prüfung heute gab es zwei Versehen von Freddy, da war der Flow etwas gestört, aber das Pferd hat einen wunderschönen Grand Prix gezeigt. Das hätte heute auch noch ein anderes Ergebnis werden können, weil er ganz toll begonnen hat. Das ist einfach ein wunderschönes Bild, ein wunderschönes Pferd, der dann auch noch mit viel Leichtigkeit durch die Arena trabt.
• Jessica von Bredow-Werndl hatte schon nach ihrem Ritt erklärt: „Ich habe zwei falsche Entscheidungen getroffen. Im versammelten Schritt vor der ersten Piaffe habe ich Dalera zu sehr versammelt. Und bei den Einerwechseln auf der Mittellinie habe ich zu lange gewartet, so dass sie dachte, es käme nur ein einzelner Wechsel.“ Dalera sei spitze gewesen, sie hätte es heute besser machen müssen. Was sagst Du dazu?
Monica Theodorescu: Die Stute ist in top Form, das ist alles klasse. Es ist immer wieder schön zu sehen. Ich finde eigentlich sogar die Stute noch geschlossener und noch getragener. Ich glaube, dass sie selten in einer Prüfung die Passage so zeigen konnte wie heute, daran haben wir auch schon eine ganze Weile gearbeitet, dass sie sich traut, in einer Prüfung nicht nur Passage zu reiten, sondern eine große Passage zu zeigen. Und das ist ihr heute noch deutlich besser gelungen als in der Vergangenheit.
Am Sonntag steht für die 15 besten Paare die Kür in Aachen auf dem Programm, 10.00 Uhr geht’s los. HIER geht’s zur Starterliste.

